Der Krieg um die Köpfe - ( 3. Teil “Die Irak-Kriege” )
Veröffentlicht in Krieg um die Köpfe ( 3. Teil ) Mit TagsGroup, Irak, Krieg, Linclon, Medien, Propaganda, Rendon bei Dezember 25, 2007 von missinglinks“Der Krieg um die Köpfe”
( 3. Teil: “Die Irak-Kriege” )
Nachdem sich die beiden vorangegangenen Teile dieses Artikels eher mit theoretischen Hintergrundinformationen und allgemeinen Praktiken der Propaganda befasst haben, folgen in diesem Teil nun konkrete Beispiele, bei denen gefälschte Nachrichten an die Öffentlichkeit weitergegeben oder Informationen unterdrückt wurden.
Die nun folgenden Beispiele entstammen allesamt den verschiedenen PR-Aktionen innerhalb der Irak-Kriege; denn gerade diese Ereignisse sind eine wahre Fundgrube für die Ausübung moderner Propagandaarbeit.
Betrachten wir zunächst einmal die offiziellen Argumentationsstrategien, mit welchen die Kriege im Irak gerechtfertigt worden sind. Doch behalten wir dabei die These im Hinterkopf, dass es wahrscheinlich noch eine andere Wahrheit gibt, welche die Auseinandersetzungen unter dem “Kosten-Nutzen-Faktor” betrachtet:
Während des Irak-Krieges, der Jahre 1991 und 1992, wurde stets der völkerrechtswidrige Angriffskrieg des irakischen Militärs auf das benachbarte Kuwait als Grund für die Eskalation dieses Konfliktes angeführt. Neben dieser Tatsache spielte aber auch die brutale Gewalt der irakischen Besatzungstruppen eine maßgebliche Rolle bei der Prägung der öffentlichen Meinung zur Befürwortung eines Eingreifens durch die westlichen Streitkräfte.
Im jüngsten Irak-Krieg, also dem aus dem Jahre 2003, wurden hingegen “verschiedene Argumentationsstrategien getestet”; wie uns der Artikel von Andrea Szukala bereits nahgelegt hat. So schreibt sie in ihrer Arbeit “Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg”:
“Zunächst sollte es darum gehen, eine Verbindung zwischen Al Quaida und dem Saddam Regime aufzudecken, die ein einseitiges Vorgehen der amerikanischen Regierung gerechtfertigt hätte. Anschließend wurde das Problem der Proliferation, der Weitergabe von Massenvernichtungswaffen, und die Entwaffnung Saddams ins Zentrum der Debatte gestellt, der “Regimewechsel” trat in den Hintergrund. Dann wieder sprach die Administration vom Nation-Building und der Demokratisierung des arabischen Raums. In einem letzten Schritt präsentierte sich Bush als Retter einer handlungsfähigen UNO, als er das gemeinsame Vorgehen als einen Fall der Durchsetzung der Friedensinteressen der gesamten Welt darstellte.”
Das sich sowohl die Gräueltaten des irakischen Militärs, in den 90er Jahren, als auch die Verbindung zum Terrornetzwerk Al Quaida so wie der Besitz und die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen, während des letzten Irak-Krieges, inzwischen als Lügen der amerikanischen Administration herausgestellt haben, ist heute nicht nur hinlänglich bekannt, sondern auch weitestgehend erwiesen. Beispielsweise steht vollkommen außer Frage, dass die Bestrebungen des Saddam-Regimes, waffenfähiges Uran zu erstehen, vom “Office of Special Plans” frei erfunden wurden.
Was also hinter den publizierten Kriegsgründen zurückbleibt ist einmal mehr der “Kosten-Nutzen-Faktor”; also das rechnerische Kalkül, welches die wirtschaftlichen, industriellen als auch die militärstrategischen Vorteile der westlichen Welt ( vorwiegend die der USA ) umfasst.
Wie ein solcher Nutzen, in einem ressourcenreichen Land wie dem Irak, beschaffen sein könnte, ist leicht zu erraten; natürlich dreht sich alles, in vielerlei Hinsicht, ums Öl.
Am deutlichsten zeichneten sich diese Beweggründe für den Krieg in Irak ab, als ein ( in Washington entworfener ) Gesetzesvorschlag im irakischen Parlament einging, durch welchen die Kontrolle der Mehrheit an den irakischen Ölreserven an US-Firmen abgegeben würde. ( Aus dieser Aufteilung könnte sich die Fremdkontrolle der Ölreserven auf bis zu 80% belaufen! )
Im Grunde hatten die USA ihre Ambitionen auf dem irakischen Ölsektor aber noch nie bestritten; so legte das Außenministerium bereits Anfang 2003 eine Öffnung der Ölmärkte für ausländische Firmen nahe und auch die “Iraq Study Group”, unter Außenminister James Baker, empfahl in diesem Bereich bereits die Förderung ausländischer Investoren.
Anhand dieser Beispiele lässt sich vortrefflich erkennen, wie die Wahrheit in der öffentlichen Diskussion immer wieder verdreht wird.
Denn wie viele Menschen wären wohl dazu bereit gewesen, in den Irak einzumarschieren und dort einen Krieg zu führen, an dessen Folgen bis heute zahlreiche irakische, wie westliche Menschen sterben müssen, wenn man gewusst hätte, dass es nicht um die Sicherheit der USA ( oder sogar um die Sicherheit der gesamten Welt ) ging, sondern vorwiegend um die illegale Übernahme der irakischen Ölreserven?
Operation Dessert Storm
Die unter dem Namen “Operation Dessert Storm” bekannt gewordene US-Militärintervention, in den Jahren 1991 und 1992, wäre ohne die Propagandaarbeit einiger PR-Agenturen wohl nur schwerlich ins Rollen gekommen.
Eine tragende Rolle in der “Öffentlichkeitsarbeit” dieser Tage spielte das PR-Unternehmen “Hill and Knowlton”, welches eigens dafür angeworben wurde, um für eine militärische Befreiung Kuwaits zu werben.
Der Geniestreich gelang dieser Agentur, als sie, am 10 Oktober 1990, die Geschichte der kuwaitischen Krankenschwester “Nayirah” an die Öffentlichkeit brachte:
Nayirah berichtete in einer öffentlichen Anhörung vor dem Menschenrechtsausschuss unter Tränen, wie irakische Besatzungstruppen bewaffnet in Krankenhäuser gestürmt seien und dort Säuglinge aus den Brutkästen rissen, um diese hernach auf dem Boden zu zerschlagen oder diese verschleppten und verkauften.
“Hill and Knowlton” ließ von dieser Aussage sogar einen Film herstellen und verteilte dieses Material an verschiedene Sender in der ganzen Welt. - Die Weltöffentlichkeit wurde somit Zeuge dieser unmenschlichen Verbrechen und reagierte mit fassungslosem Entsetzen und der UN-Sicherheitsrat stellte dem Irak ein Ultimatum für den Rückzug aus Kuwait.
Im Januar 1991 sprach man bereits von 312 Säuglingen, welche auf diese Weise entführt oder ermordet worden seien; eine Zahl die neben den meisten Presseorganen auch von Amnesty International ungeprüft übernommen wurde.
Nachdem diese Schreckensmär in den Medien immer wieder wiederholt wurde und auch George Bush Sen. sie ständig als Beleg für die Menschenrechtsverletzungen der irakischen Besatzungstruppen angeführt hatte, begann bereits am Morgen des 16. Januar 1991der Bombenkrieg am Golf.
Als sich einige Zeit später jedoch herausstellte, dass die vermeintliche Krankenschwester die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington war und die gesamte Geschichte nichts als eine geschickte PR-Aktion gewesen ist, welche dazu diente den Krieg in Irak zu beschleunigen, war es längst zu spät. - Der Krieg war bereits in vollem Gange und die Truppen schon längst am Golf…
Aber auch in der medialen Aufbereitung, nach Beendigung des Krieges, spielen gestellte Bilder eine große Rolle; wollte man der Weltöffentlichkeit doch am liebsten Aufnahmen präsentieren, in denen die US-amerikanischen Truppen als Befreier gefeiert und umjubelt wurden, anstatt sie als das darzustellen, als was sie nicht selten gesehen wurden. ( Nämlich als ausländische Besatzer und Aggressoren. ) Daher war es für die westliche Presse auch wichtig, Bilder senden zu können, in denen befreite Kuwaitis, am 27. Februar 1991, den in die Hauptstadt einrollenden amerikanischen Panzern zuwinkten und freudig kleine Fähnchen mit dem Star-Spangled-Banner und sogar dem Union-Jack schwenkten.
John Rendon ( Chef der PR-Agentur “Rendon Group” ), brüstet sich in diesem Zusammenhang mit folgenden Worten:
“Haben sie sich jemals gewundert, wie Menschen aus Kuwait City, nachdem sie sieben lange und schmerzhafte Monate in Geiselhaft gehalten wurden, in der Lage waren, an kleiner amerikanische Flaggen zu kommen? - Tja, das war einer meiner Jobs.”
John Rendon sieht sich selbst, nach eigener Aussage, als einen “Informationskrieger”; eine Beschreibung, die seiner Tätigkeit gerecht wird. Denn wo immer die US-Armee, in den letzten 17 Jahren, in kämpferische Auseinandersetzungen verwickelt gewesen ist, war auch die “Rendon Group” zugegen. Aus Pentagon-Papieren ist ersichtlich, dass diese PR-Agentur allein in den Jahren zwischen 2000 und 2004 mindestens 35 Verträge, mit einem Auftragswert von über 50 Million US-$, mit der amerikanischen Regierung abgeschlossen hat. ( Ein paar Beispiele für die Arbeiten der “Rendon Group” sind neben den Irak-Kriegen auch die US-Invasion in Panama oder der Krieg in Afghanistan. )
( Dieser Artikel wird in Kürze fortgesetzt… )